Das Palais am Festungsgraben am Boulevard Unter den Linden ist eines der repräsentativsten Bauwerke in der historischen Mitte Berlins. Es befindet sich im Besitz des Landes Berlin. Seine prächtigen Säle werden kulturell und gastronomisch, die übrigen Räume von einer Vielzahl heterogener Mieter als Dienstleistungsbüros genutzt. Jedoch ist ein kohärentes Nutzungskonzept nicht erkennbar; Zustand und Nutzung des Hauses entsprechen nicht seinem Wert und seiner Lage.

Prof. Kreibich im RBB

Filmbeitrag des RBB

Wegen seines hohen Sanierungsbedarfs von ca. 20-25 Millionen Euro ist der Buchwert des Gebäudes mit null Euro veranschlagt. Die Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) ist beauftragt, für das Gebäude einen oder eine kleine Anzahl von Mietern zu finden, die es im weitesten Sinne kulturell nutzen sollen.

Der zentralen Hauptstadtlage und der Nachbarschaft international bedeutender und ausstrahlender Institutionen wie den Museen von Weltrang, der Humboldt-Universität, der Staatsoper Unter den Linden und insbesondere dem künftigen Humboldtforum mit den Dahlemer Sammlungen kann in Zukunft nur eine international und am öffentlichen Interesse ausgerichtete Nutzung gerecht werden.

Das Palais am Festungsgraben sollte als ein „Haus für die Vereinten Nationen“ Verbindungs- und Informationsbüros für VN-Unterorganisationen und -Programme sowie Büros anderer internationaler Organisationen, ihrer deutschen Sektionen und Organisationen der Zivilgesellschaft beherbergen, die im VN-Kontext arbeiten, und ihnen als Veranstaltungsort dienen.

Diese Büros sollen die Arbeit ihrer Organisationen in der Öffentlichkeit vermitteln und als Dialogpartner für Staat, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft zur Verfügung stehen. Sie sollen vor allem die fachlich interessierte Öffentlichkeit ansprechen und helfen, Zugang zum Apparat der VN-Organisationen und ihren bedeutenden Informationsressourcen herzustellen. Damit sollen sie das Regionale VN-Informationsbüro (UNRIC) für Westeuropa in Brüssel/Bonn und die VN-Depotbibliotheken in Berlin und Potsdam komplementieren.

Auf diese Weise hätte die Berliner und deutsche Öffentlichkeit die Möglichkeit, sich in weitaus besserer Weise mit dem Wirken dieser Organisationen vertraut zu machen, ohne die das Weltsystem nicht mehr funktionieren würde. Die Vereinten Nationen würden in Berlin lokalisierbar und von einer fernen Bürokratie zu einer konkreten Realität werden. Dies wäre ein großer Schritt, ihre Wertschätzung und Relevanz in Deutschland zu erhöhen.

Als Kompetenzzentrum mit Ausrichtung an der internationalen Agenda, insbesondere den Nachhaltigkeitszielen (Agenda 2030), soll das „Haus für die Vereinten Nationen“ ins Humboldt-Forum hineinwirken, aber auch im Dialog mit der Zivilgesellschaft ein Forum zum Nachdenken über die Zukunft der Vereinten Nationen selbst und damit des Weltsystems werden.

Die Geste, den Vereinten Nationen zu ihrem 70. Geburtstag eines der repräsentativsten Gebäude der Stadt in zentraler Lage zu widmen, und das mit ihr zum Ausdruck kommende Bekenntnis zur Einbettung in internationale Strukturen könnte in New York, aber auch in den Hauptstädten der Welt nicht übersehen werden. Der außenpolitische Gewinn eines Hauses für die Vereinten Nationen wäre für Deutschland und Berlin zweifellos enorm und dauerhaft.